Konrad Zuse ist der Name, der am häufigsten
genannt wird, wenn über angebliche Lücken in diesem Buch gesprochen wird. Ich
habe bereits ausführlich begründet, warum Zuse dort nicht vorkommt. Natürlich
interessiere ich mich für alles, was über Zuse veröffentlicht wird. Daher berichte
ich hier über eine Zuse betreffende private Korrespondenz.
Jürgen Winkler (ehemals Uni Jena, jetzt
in Feldkichen-Westerham) verwies mich dieser Tage auf eine vom Heinz-Nixdorf-Museumsforum
(HNF) in Paderborn verbreitete Nachricht
über Konrad Zuse, dieses Mal seine Kontakte zum US-Geheimdienst in den ersten
Nachkriegsjahren betreffend. Bei Zuse interessierten mich immer seine Patentstreitigkeiten.
Auf den Seiten 97-100 seines Buches 'Der
Computer - Mein Lebenswerk' (2010) ist seine Version dargestellt. Gestern
schrieb Jürgen Winkler ausführlich zu diesem Thema:
Bei dem immer wieder erwähnten „Patentskandal"
geht es ja nur um ein Patent. Andere Patente wurden Zuse ja zugesprochen. Zufällig habe ich vor einigen Wochen mal
wieder das Buch R. Rojas (Hrsg.): Die Rechenmaschinen von Konrad Zuse. (3-540-63461-4)
bei der TUM ausgeliehen. Darin ist ein
Aufsatz von Hartmut Petzold enthalten, der sich detailliert mit diesem einen Patentantrag
beschaeftigt (S. 63-108). Ausserdem ist der Patentantrag vom 16.7.1941
abgedruckt: S. 111-193. Petzold hat darin 51 Ansprueche identifiziert. Diese
Angelegenheit zog sich in Deutschland vom April 1936 bis zum Juli 1967 hin. Bereits
1937 hielt das US-Patentamt Zuse die Arbeiten von Babbage entgegen. (Lebenswerk,
2010, S. 97). Das deutsche Patentamt tat dies erst im Dezember 1955, nachdem es
von außen Material dazu erhalten hatte (Petzold, S. 84). Zuse hat schon 1941 nicht mehr
behauptet, er habe das Prinzip des programm-gesteuerten Rechners erfunden,
sondern auf den konkreten Rechner (Z3) abgehoben. In der Schlussphase des
Verfahrens ging es wohl hauptsächlich darum, ob die Befehle auf dem
Eingabeband codiert dargestellt werden, und durch eine "Wahlpyramide"
decodiert werden, oder ob das Band fuer jeden Befehl eine eigene Lochspur
enthaelt.
Auch für mich war das überraschend, da
ich bisher auch geglaubt hatte, das Bundespatentgericht hätte dem
programmgesteuerten Rechner an sich die Erfindungshöhe versagt. Diese ganze
Angelegenheit schmälert wohl nicht die großen Leistungen von Zuse: (a) Bau des
ersten programmgesteuerten Rechners und Erarbeitung der technischen Konzepte dazu:
Dualsystem, Gleitkomma, mechanisches Bit, usw. (b) erste höhere
Programmiersprache und (c) Firma mit
1000 Beschäftigten. Das haben Babbage, Aiken und Eckert/Mauchly so nicht
aufzuweisen, zu schweigen von den beschränkten Resourcen von Zuse (insbesondere
bei (a)) im Vergleich zu diesen anderen Erfindern. Zu Weihnachten habe ich auch einen Film
über Zuse geschenkt bekommen. Er enthält viele Dinge, die ich noch nicht
kannte, obwohl ich auch die reichhaltige DVD von
Horst Zuse habe. Eine umfassende Darstellung zu Zuse und seine gesammelten
Werke stehen allerdings noch aus.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen