Buchdeckel

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Donnerstag, 31. Dezember 2015

Konrad Zuses Jahrzehnte langer Streit um ein Patent

Konrad Zuse ist der Name, der am häufigsten genannt wird, wenn über angebliche Lücken in diesem Buch gesprochen wird. Ich habe bereits ausführlich begründet, warum Zuse dort nicht vorkommt. Natürlich interessiere ich mich für alles, was über Zuse veröffentlicht wird. Daher berichte ich hier über eine Zuse betreffende private Korrespondenz.

Jürgen Winkler (ehemals Uni Jena, jetzt in Feldkichen-Westerham) verwies mich dieser Tage auf eine vom Heinz-Nixdorf-Museumsforum (HNF) in Paderborn verbreitete Nachricht über Konrad Zuse, dieses Mal seine Kontakte zum US-Geheimdienst in den ersten Nachkriegsjahren betreffend. Bei Zuse interessierten mich immer seine Patentstreitigkeiten. Auf den Seiten 97-100 seines Buches 'Der Computer - Mein Lebenswerk' (2010) ist seine Version dargestellt. Gestern schrieb Jürgen Winkler ausführlich zu diesem Thema:

Bei dem immer wieder erwähnten „Patentskandal" geht es ja nur um ein Patent. Andere Patente wurden Zuse ja zugesprochen. Zufällig habe ich vor einigen Wochen mal wieder das Buch R. Rojas (Hrsg.): Die Rechenmaschinen von Konrad Zuse. (3-540-63461-4)  bei der TUM ausgeliehen. Darin ist ein Aufsatz von Hartmut Petzold enthalten, der sich  detailliert mit diesem einen Patentantrag beschaeftigt (S. 63-108). Ausserdem ist der Patentantrag vom 16.7.1941 abgedruckt: S. 111-193. Petzold hat darin 51 Ansprueche identifiziert. Diese Angelegenheit zog sich in Deutschland vom April 1936 bis zum Juli 1967 hin. Bereits 1937 hielt das US-Patentamt Zuse die Arbeiten von Babbage entgegen. (Lebenswerk, 2010, S. 97). Das deutsche Patentamt tat dies erst im Dezember 1955, nachdem es von außen Material dazu erhalten hatte (Petzold, S. 84). Zuse hat schon 1941 nicht mehr behauptet, er habe das Prinzip des programm-gesteuerten Rechners erfunden, sondern auf den konkreten Rechner (Z3) abgehoben. In der Schlussphase des Verfahrens ging es wohl hauptsächlich darum, ob die Befehle auf dem Eingabeband codiert dargestellt werden, und durch eine "Wahlpyramide" decodiert werden, oder ob das Band fuer jeden Befehl eine eigene Lochspur enthaelt.

Auch für mich war das überraschend, da ich bisher auch geglaubt hatte, das Bundespatentgericht hätte dem programmgesteuerten Rechner an sich die Erfindungshöhe versagt. Diese ganze Angelegenheit schmälert wohl nicht die großen Leistungen von Zuse: (a) Bau des ersten programmgesteuerten Rechners und Erarbeitung der technischen Konzepte dazu: Dualsystem, Gleitkomma, mechanisches Bit, usw. (b) erste höhere Programmiersprache  und (c) Firma mit 1000 Beschäftigten. Das haben Babbage, Aiken und Eckert/Mauchly so nicht aufzuweisen, zu schweigen von den beschränkten Resourcen von Zuse (insbesondere bei (a)) im Vergleich zu diesen anderen Erfindern. Zu Weihnachten habe ich auch einen Film über Zuse geschenkt bekommen. Er enthält viele Dinge, die ich noch nicht kannte, obwohl ich auch die reichhaltige DVD von Horst Zuse habe. Eine umfassende Darstellung zu Zuse und seine gesammelten Werke stehen allerdings noch aus.

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